Die Vereinsgeschichte der Stadtkapelle Hausach….

… in groben Zügen erzählt….

1818–1858 | Die Anfänge als Stadtmusik

1818 ist ein Jahr, das Geschichte schreibt – nicht nur in Europa, sondern auch in der Stadt Hausach. Während sich andernorts Monarchen gegen demokratische Bewegungen verbünden und das Großherzogtum Baden gleichzeitig eine liberale Verfassung erhält und konstitutionelle Monarchie wird, setzen die Hausacher diesen widersprüchlichen Tendenzen zum Trotz auf Einigkeit und Tatkraft. Eine kleine Gruppe musikbegeisterter Männer fasst den Entschluss, das Leben in der Stadt künftig regelmäßig mit Blasmusik zu bereichern. Damit ist der Grundstein für die heutige Stadtkapelle Hausach gelegt – ohne große Worte, aber mit viel Engagement.


Als erster Dirigent und wohl auch als eigentlicher Gründer der Stadtmusik gilt Lehrer Knupfer. Ein Mann, der nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch bemerkenswertes Talent bewies. Ihm gelang es nämlich, die junge Kapelle von Anfang an als feste Einrichtung der Stadt Hausach zu etablieren – und das ist aus heutiger Sicht durchaus erstaunlich. Die Stadt stellte Geld aus dem Gemeindesäckel bereit: 15 Gulden pro Musiker, dazu Instrumente, deren Unterhalt, die Bezahlung des Dirigenten und sogar eine kleine Aufwandsentschädigung für die Aktiven. Vereinsleben mit Rundum-sorglos-Paket – davon können heutige Vereine nur träumen.


Dieses frühe Bekenntnis der Stadt legte das stabile Fundament, auf dem sich der Verein über Jahrzehnte entwickeln konnte. Schriftlich dokumentiert sind diese Vereinbarungen bis weit in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. Ein sichtbares Zeichen dieses wachsenden Selbstverständnisses erhält der Verein 1847: Die Stadtkapelle bekommt ein Vereinsbanner, das stolz die badischen Farben Gelb und Rot zeigt. Ergänzt wird es durch einen Lorbeerkranz mit dem Stadtwappen sowie ein Notenblatt mit gekreuzten Klarinetten – Symbole für Verbundenheit, musikalischen Anspruch und die enge Beziehung zur Stadt Hausach. Das Banner steht sinnbildlich für das, was die Kapelle inzwischen geworden ist: mehr als nur eine Musikgruppe, nämlich ein fester Bestandteil des städtischen Lebens.


Um 1855 löst Dirigent Brüstle, genannt "Harzweber" den ersten Dirigenten der Kapelle, Lehrer Knupfer, ab. Der nächste Dirigent, Georg Schmider - auch "Schmidjörg" genannt - wuchs zwar nicht mit der Musik auf, schien aber ein angeborenes Talent zu besitzen. Er wird für die nächsten 40 Jahre die Geschicke der Kapelle leiten. Unter seiner Leitung ist das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Geselligkeit im Verein ganz besonders ausgeprägt. Ein Umstand, der sicherlich das seinige zur guten Kameradschaft in der damaligen Zeit beitrug, war das Fehlen eines Proberaumes, so dass Proben und Zusammenkünfte immer im Hause des Dirigenten oder eines Musikers stattfanden. Es kann sich jeder vorstellen, dass dort nicht nur die Musik gepflegt wurde, sondern auch das leibliche Wohl der Musiker nicht zu kurz kam. Das Vereinsleben ist schon in diesen frühen Jahren mindestens genauso wichtig wie der richtige Einsatz zur richtigen Zeit.

1858–1908 | Organisation, Zusammenhalt und Wachstum

Mit dem Jahr 1858 wird aus der engagierten Musikgruppe endgültig ein Verein mit klaren Spielregeln. Erstmals hält man schriftlich fest, wie das Verhältnis zwischen der Stadt Hausach und der Stadtkapelle aussehen soll. Die Stadt bleibt ein verlässlicher Partner: Sie übernimmt weiterhin die Kosten für Instrumente und Dirigenten. Alles andere – von der Organisation bis zur Gemeinschaftspflege – liegt nun in den Händen des Vereins. Auch das gehört zum Vereinsleben: Proben, Auftritte und ab jetzt ganz offiziell auch Mitgliedsbeiträge.


Ein echter Fortschritt folgt wenig später ganz ohne musikalischen Taktwechsel: Die Stadt stellt der Musikkapelle erstmals eigene Proberäume zur Verfügung. Geprobt wird nun nicht mehr ausschließlich in Wohnzimmern und Stuben, sondern in Räumen des Schul- und Rathauses sowie später in der Volksschule – selbstverständlich kostenlos. Für den Verein ist das ein wichtiger Einschnitt. Die Stadtkapelle wird sichtbarer, besser organisiert und rückt noch stärker ins kulturelle Leben der Stadt Hausach.



In diesen Jahrzehnten wächst die Stadtkapelle nicht nur klanglich, sondern auch strukturell. Aus einer losen Gemeinschaft musikbegeisterter Männer wird ein gut geführter Musikverein, der Verantwortung übernimmt, Gemeinschaft lebt und sich dauerhaft im Stadtbild verankert.


Nach fast 40 Jahren am Dirigentenpult verabschiedet sich schließlich eine prägende Persönlichkeit: der legendäre „Schmidjörg“. Ihm folgt 1894 Gustav Ecker, der neue Impulse setzt. Die Jahre danach bringen einen rascheren Wechsel am Taktstock: 1902 übernimmt Hermann Stehle, bereits 1904 wird er von Siegfried Laun abgelöst. Ein Zeichen dafür, dass sich der Verein in Bewegung befindet – musikalisch, organisatorisch und bereit für das nächste Kapitel seiner Vereinsgeschichte.

Stadtkapelle Hausach Vereinsgeschichte, Foto 1894

1908–1939 | Musikalischer Aufschwung und große Ereignisse

Mit dem Jahr 1908 schlägt die Stadtkapelle Hausach ein neues Kapitel ihrer Vereinsgeschichte auf. Oberlehrer Schwarzhans übernimmt den Dirigentenstab – und bringt frischen Wind mit. Der Verein bleibt seinen Wurzeln treu, stellt sich organisatorisch und musikalisch jedoch deutlich moderner auf. Die Besetzung wird zeitgemäß angepasst, die Instrumentierung erneuert und das musikalische Niveau spürbar angehoben.  Parallel dazu wächst auch die Bedeutung des Vereins im öffentlichen Leben der Stadt Hausach. Mit der Gründung der Feuerwehr trägt die Stadtmusik fortan offiziell den Namen Stadt- und Feuerwehrkapelle Hausach – ein Titel, der weniger nach Verwaltungsakt klingt, als vielmehr nach Anerkennung für eine Kapelle, die längst zu den festen Größen im städtischen Leben gehört.


Diese besondere Stellung wird 1910 auch offiziell bestätigt. Mit einer neuen Satzung vom 30.09.1910 hält der Gemeinderat fest: "Die Stadtmusik ist keine private, sondern eine von dem hiesigen Gemeinderat erstellte städtische Einrichtung zu dem Zwecke, bei weltlichen und religiösen Feiern die übliche Festmusik zu leisten. Sie darf aber von Vereinen und privaten Personen in Anspruch genommen werden. Die Gemeinde stellt die notwendigen Instrumente, Musikalien, Geräte, das Übungszimmer mit Feuerung und Beleuchtung. Die Kosten hierfür werden alljährlich im Voranschlag eingestellt." Ein Vertrauensbeweis, von dem viele Vereine heute nur träumen können.


Aus gesundheitlichen Gründen legt Oberlehrer Schwarzhans 1921 den Taktstock nieder. Lehrer Schlecht übernimmt zunächst die Leitung, bevor 1925 Otto Hörsch die Kapelle führt und einen weiteren musikalischen Aufschwung einleitet. Unter seiner Regie wird die Stadtkapelle zum kulturellen Aushängeschild der Stadt und wagt zunehmend den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus. Selbstbewusst und ambitioniert misst sich der Verein mit anderen Musikkapellen – ein wichtiger Schritt in der Vereinsgeschichte und ein klares Signal für den gewachsenen Anspruch an Qualität und Leistungsfähigkeit.


Der unbestrittene Höhepunkt dieser Epoche folgt 1928: das 110-jährige Jubiläum. Nachdem das 100-jährige Bestehen wegen des Ersten Weltkriegs nicht gefeiert werden konnte, holen die Hausacher dies nun mit umso größerer Begeisterung nach. Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten feiern zahlreiche Gastkapellen und Besucher gemeinsam ein Fest, das den hohen Stellenwert der Stadtkapelle im gesellschaftlichen Leben der Stadt eindrucksvoll unter Beweis stellt. In den folgenden Jahren übernimmt Nikolaus Nehlig den Dirigentenstab. Noch ahnt niemand, dass er die musikalische Entwicklung des Vereins über Jahrzehnte prägen wird. 

1939–1947 | Krieg, Stillstand und Neuanfang

Die politischen Entwicklungen werfen bald ihre Schatten auch auf das Vereinsleben in der Stadt Hausach. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs kommt der musikalische Alltag der Stadtkapelle Schritt für Schritt zum Stillstand. Immer mehr Musiker werden zum Kriegsdienst eingezogen, Dirigent Nikolaus Nehlig wird einer Militärkapelle zugeteilt. In dieser schwierigen Zeit versucht der Haslacher Dirigent Otto Blank, das verbliebene Häuflein zusammenzuhalten. Doch ab 1942 ist ein geregelter Proben- und Spielbetrieb schließlich nicht mehr möglich.


Damit endet eine Phase des Aufschwungs, großer Ereignisse und musikalischer Erfolge. Für die Stadtkapelle Hausach beginnt eine Zeit der Bewährung – für den Verein ebenso wie für die Menschen, die ihn tragen. Der Neuanfang nach 1945 gestaltet sich entsprechend schwierig. Der Krieg hat auch in Hausach tiefe Spuren hinterlassen und große Lücken in die Reihen der Musiker gerissen. Ohne die tatkräftige Unterstützung von Chormeister Weiß und Stadtpfarrer Würth wäre der Fortbestand der Kapelle kaum denkbar gewesen. Noch einmal greift Oberlehrer Schwarzhans zum Taktstock und übernimmt die musikalische Leitung, bis er 1946 von Lambert Timmer abgelöst wird. Schritt für Schritt kehrt damit wieder Musik in das Vereinsleben der Stadtkapelle zurück.

1947–1987 | Wiederaufbau, Jugend und Öffnung

Den konsequenten Wiederaufbau der Stadtkapelle Hausach übernimmt schließlich ein Mann, der den Verein wie kaum ein anderer prägen sollte. 1947 kehrt Nikolaus Nehlig aus der Kriegsgefangenschaft zurück – und greift dort wieder ein, wo er zuvor aufgehört hatte: am Dirigentenpult und in der Ausbildung des musikalischen Nachwuchses. Mit Geduld, Disziplin und einem feinen Gespür für Musik formt er Schritt für Schritt neue Generationen von Musikern. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten: Bereits Anfang der 1950er-Jahre spielt die Stadtkapelle wieder in der Oberstufe.


Die folgenden Jahrzehnte sind geprägt von Wachstum, Stabilität und wichtigen Meilensteinen im Vereinsleben. 1950 erhält die Kapelle erstmals eine einheitliche Uniform – ein sichtbares Zeichen des Zusammenhalts. 1963 wird mit der Gründung der Jugendkapelle die Zukunft des Vereins gesichert. Und 1968 feiert die Stadtkapelle ihr 150-jähriges Jubiläum mit großen Festlichkeiten. Spätestens mit der Verleihung der Pro-Musica-Plakette im Jahr 1970 ist klar: Die Stadtkapelle Hausach gehört zu den musikalischen Schwergewichten der Region.


Ein spürbarer Einschnitt folgt 1973. Nach über 45 Jahren aktiver Dirigententätigkeit verabschiedet sich Nikolaus Nehlig vom Taktstock und wird zum Ehrendirigenten ernannt. Wie nachhaltig seine Arbeit war, zeigen nicht nur Erinnerungen, sondern auch messbare Erfolge: Die Stadtkapelle erzielt in den folgenden Jahren hervorragende Ergebnisse bei Wertungsspielen und steigert ihr musikalisches Niveau kontinuierlich.


Die musikalische Leitung übernimmt nun Günter Keller, frisch aus dem Musikstudium und mit neuen Ideen im Gepäck. Er baut die Jugendausbildung konsequent weiter aus und leitet fortan auch die Jugendkapelle. Unter seiner Führung richtet die Stadtkapelle 1979 das Verbandskonzert des Musikverbandes Kinzigtal aus und feiert bei Wertungsspielen große Erfolge: 1980 einen ersten Rang mit Auszeichnung in der Oberstufe, 1983 erneut einen ersten Rang.


Nach zehn Jahren übergibt Günter Keller den Taktstock an Heinrich Krämer, der die Kapelle jedoch nur kurzzeitig leitet. Als sich 1985 erneut eine Dirigentenlücke auftut, springt kurzerhand Eugen Jehle als Interimsdirigent ein – pragmatisch, engagiert und mit dem klaren Ziel, dem Verein Zeit für eine gute Lösung zu verschaffen.


Diese findet sich 1987: Mit dem Dreikönigsball beendet Jehle seine Dirigententätigkeit, und bereits die nächste Probe steht unter der Leitung von Günter Belli. Gleichzeitig schreibt die Stadtkapelle Vereinsgeschichte: Erstmals spielen Frauen und Mädchen mit. Ein Schritt, der das Gesicht des Vereins nachhaltig verändert – und aus heutiger Sicht schlicht unverzichtbar ist. Um auch auswärts studierenden und arbeitenden Mitgliedern die Teilnahme zu erleichtern, wird zudem der Probentag von Dienstag auf Freitagabend verlegt. Flexibilität gehört nun ebenso zum Vereinsleben wie der richtige Ton zur richtigen Zeit.

Seit 1987 | Qualität, Vielfalt und Gegenwart

In den folgenden Jahrzehnten bleibt bei der Stadtkapelle Hausach vieles in Bewegung – vor allem musikalisch. Das Orchester wächst weiter, neue Dirigenten bringen frische Impulse, und bei Wertungsspielen zeigt sich regelmäßig, dass sich Probenfleiß und Vereinsgeist auszahlen. Ein besonders erfolgreiches Jahr ist 1988: Beim Wertungsspiel des Musikverbandes Kinzigtal in Haslach erreicht die Stadtkapelle erneut einen ersten Rang mit Auszeichnung in der Oberstufe. Parallel dazu wird auch hinter den Kulissen investiert – der Proberaum im Untergeschoss der Stadthalle wird erweitert. Mehr Platz für Musiker, Instrumente und Notenständer: Man könnte sagen, der Verein wächst nun auch räumlich hörbar.


1993 steht ganz im Zeichen eines weiteren großen Jubiläums. Zum 175-jährigen Bestehen richtet die Stadtkapelle Hausach das Verbandsmusikfest des Blasmusikverbandes Kinzigtal aus. Mit 66 aktiven Musikerinnen und Musikern präsentiert sich der Verein so stark wie selten zuvor und unterstreicht eindrucksvoll seine Bedeutung im kulturellen Leben der Stadt.


Nach zehn prägenden Jahren verabschiedet sich 1997 Stadtkapellmeister Günter Belli. Statt des traditionellen Frühjahrskonzerts wählt er ein Kirchenkonzert als würdigen musikalischen Abschluss. Sein Nachfolger wird der Freiburger Posaunist und Musikpädagoge Raphael Janz, der neue Akzente setzt und die musikalische Entwicklung des Vereins weiterführt.


Der vorläufige Höhepunkt der Vereinsgeschichte folgt schließlich 2018: Die Stadtkapelle Hausach feiert ihr 200-jähriges Bestehen – und das unter dem ebenso selbstbewussten wie charmanten Motto „200 Jahre jung“. Den Auftakt bildet ein Jahreskonzert auf dem Klosterplatz, das das Publikum auf eine musikalische Zeitreise mitnimmt. Es folgen zahlreiche Jubiläumsveranstaltungen, die in einem großen Festwochenende im Oktober gipfeln. Mit einem Gala-Abend, einer ausgelassenen Party-Nacht mit Allgäupower und einem Klassikkonzert mit dem Weltklasse-Brassorchester German Brass zeigt die Stadtkapelle eindrucksvoll, dass sie Tradition und Moderne mühelos verbindet.


200 Jahre Geschichte – und kein bisschen leise.

Stadtkapelle Hausach Vereinsgeschichte, Jubiläum 200 Jahre

Lesen Sie zur Chronik der Stadtkapelle Hausach auch folgende Online- Beiträge:

Gründung der Stadtmusik ( Hausach Chronik online)

200 Jahre Stadtmusik Hausach (Bernhard Schmid)